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EMIL – Emotionen regulieren lernen

EMIL ist wissenschaftlich fundiert, in der Praxis erprobt und nachweisbar wirksam. Dies können bislang nur sehr wenige andere Förderkonzepte im Kindergartenbereich belegen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass mit der flächendeckenden Implementierung des EMIL-Konzepts ab Herbst 2015 möglichst viele Kindertageseinrichtungen qualifiziert werden und von EMIL profitieren können. So werden Kinder in ihrer Selbstregulation und sozial-emotionalen Kompetenz gestärkt und ein wichtiger Grundstein für ihre weitere Entwicklung gelegt.

EMIL – Emotionen regulieren lernen war ein Forschungsprojekt, das wissenschaftlich begleitet wurde. In zwei Projektphasen (EMIL Ulm und EMIL Baden-Württemberg) wurde das in enger Zusammenarbeit mit der Praxis entwickelte EMIL-Konzept zwischen 2011 und 2014 auf seine Wirksamkeit überprüft.

Ziel der Intervention war es, die exekutiven Funktionen und die sozial-emotionalen Kompetenzen der Kinder durch die in EMIL angestoßenen Veränderungen im Kitaalltag positiv zu beeinflussen. Darüber hinaus ging es darum, bei der Konzeptentwicklung die Bedürfnisse der Fachkräfte und Bedingungen des pädagogischen Alltags zu berücksichtigen, um die Akzeptanz und nachhaltige Umsetzung zu gewährleisten.

EMIL hat sich sowohl in Ulm als auch auf Landesebene als praktikabel und wirksam erwiesen. Aufgrund des Erfolgs ist EMIL seit Herbst 2015 im Rollout: allen Kindertageseinrichtungen in Baden-Württemberg steht die EMIL-Qualifizierung kostenfrei zur Verfügung.


Projektphasen

In zwei Projektphasen (EMIL Ulm und EMIL Baden-Württemberg) wurde das in enger Zusammenarbeit mit der Praxis entwickelte EMIL-Konzept zwischen 2011 und 2014 auf seine Wirksamkeit überprüft.
EMIL hat sich sowohl in Ulm als auch auf Landesebene als praktikabel und wirksam erwiesen. Aufgrund des Erfolgs ging EMIL ab Herbst 2015 in den Rollout.

Studie EMIL ULM
Im Auftrag der Baden-Württemberg Stiftung entwickelte und erprobte das ZNL von Mai 2011 bis April 2013 das Konzept EMIL – Emotionen regulieren lernen mit acht Ulmer Kindergärten.

EMIL ist ein Kindergarten-Konzept, das in enger Zusammenarbeit mit der Praxis entwickelt wurde. Durch Qualifzierungsmaßnahmen unterstützt EMIL pädagogische Fachkräfte, vielfältige Gelegenheiten zur Stärkung sozial-emotionaler Fähigkeiten im Kindergartenalltag zu schaffen und selbstgesteuertes Handeln zu ermöglichen.

Aufbau der Studie

Vier Kindergärten nahmen mit dem gesamten Team an der EMIL-Qualifizierung teil (Interventionsgruppe). Die anderen vier Kindergärten (Wartegruppe) bekamen nach Abschluss der Studie ab Januar 2014 die Gelegenheit zur Teilnahme an den Qualifizierungsmaßnahmen.
Interventionsgruppe:

  • 5 Fortbildungen und 4 Teambegleitungen
  • insgesamt 28,5 Stunden

Wartegruppe:

  • keine EMIL-Qualifizierung
  • Einrichtungen dieser Gruppe erhielten die Qualifizierung im Rahmen von EMIL BW

Insgesamt fand das Projekt EMIL Ulm für die Kindergärten im Zeitraum von November 2011 bis November 2012 statt.

Da es sich bei EMIL Ulm um ein Forschungsprojekt handelt, fanden zusätzlich zu den Qualifizierungsmaßnahmen zu Beginn und am Ende des Projektes Datenerhebungen bei den beteiligten Kindern, Eltern und pädagogischen Fachkräften statt. Diese dienen der Beantwortung der wissenschaftlichen Fragestellungen.

Wissenschaftliche Fragestellung

Das Konzept EMIL – Emotionen regulieren lernen gründet auf der neurowissenschaftlich und entwicklungspsychologisch belegten Erkenntnis, dass die Fähigkeit zur Regulation von Gefühlen, Gedanken und Verhalten sowie die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme auf den exekutiven Funktionen aufbauen. Die Qualifizierung der pädagogischen Fachkräfte setzt daher bei den exekutiven Funktionen, der Fähigkeit zur Selbstregulation und der Perspektivenübernahme an. In der ersten Projektphase von EMIL wurde folgender Frage nachgegangen:

Können die exekutiven Funktionen, die Selbstregulation und die Perspektivenübernahme als ein wichtiger Bereich von sozial-emotionaler Kompetenz bei Kindern durch eine Qualifizierung von pädagogischen Fachkräften gestärkt werden?

Zeitplan EMIL Ulm

Die Laufzeit von EMIL Ulm betrug für die Kindergärten 12 Monate, von November 2011 bis November 2012. Wie in der Abbildung dargestellt, wurden zu drei Zeitpunkten Daten bei der Interventions- und Wartegruppe erhoben. Durch den Vergleich der Messdaten der Interventionsgruppe mit der Wartegruppe können Rückschlüsse auf die Wirksamkeit des EMIL-Konzepts gezogen werden.

Messinstrumente

Verschiedene psychologische Testverfahren wurden ausgewählt, um die Fragen in EMIL Ulm zu beantworten. Dabei wurden Daten bei Kindern, deren Eltern sowie pädagogischen Fachkräften erhoben. Die ausgewählten Tests mit Kindern im Alter von 3 bis 6 Jahren wurden sehr spielerisch durchgeführt. Die Durchführung pro Kind in zwei 1 zu 1-Situationen dauerte ca. 50 Minuten. Diese 1 zu 1-Situationen fanden drei Mal vormittags im Kindergarten statt: im November/Dezember 2011, im Juni/Juli 2012 sowie im November/Dezember 2012.

Folgende Bereiche wurden mit den Tests und Befragungen bei den Kindern erhoben:

  • Exekutive Funktionen (Arbeitsgedächtnis, Inhibition, kognitive Flexibilität)
  • Verhaltensregulation
  • Perspektivenübernahme
  • Soziale Eingebundenheit
  • Selbstwirksamkeitserwartung

Die Bezugserzieher*innen und die Eltern der Kinder wurden gebeten, die sozial-emotionale Entwicklung mit Hilfe eines Beobachtungsbogens einzuschätzen. Von den Eltern wurden zusätzlich Angaben zum sozio-ökonomischen Hintergrund erfragt. Außerdem wurden die Erzieher*innen gebeten, die Arbeitsbedingungen und das Erleben ihrer pädagogischen Tätigkeit einzuschätzen.

Neben diesen Testungen wurde der Alltag in jedem Kindergarten zweimal während des Projektzeitraums beobachtet, um einen Eindruck von Strukturen, Räumlichkeiten, Materialangebot, Ablauf der Angebote und des pädagogischen Handelns der Erzieher*innen zu bekommen.

Studie EMIL Baden-Württemberg
Für die Studie EMIL Baden-Württemberg wurde das EMIL-Konzept, das 2011/2012 in enger Zusammenarbeit mit der Praxis entwickelt wurde, überarbeitet und weitergedacht. Um die Wirksamkeit erneut zu überprüfen, wurde das Konzept mit 24 Kindergärten aus ganz Baden-Württemberg umgesetzt und wissenschaftlich evaluiert. Wie in EMIL Ulm wurden durch Qualifizierungen pädagogische Fachkräfte darin unterstützt, vielfältige Gelegenheiten zur Stärkung sozial-emotionaler Fähigkeiten im Kindergartenalltag zu schaffen.

Aufbau der Studie

In EMIL Baden-Württemberg wurden Erzieher*innen über einen Zeitraum von ca. 6 Monaten prozessorientiert qualifiziert. In der Qualifizierung ging es neben neurowissenschaftlichen Grundlagen zum Lernen besonders um Fördermöglichkeiten der exekutiven Funktionen und sozial-emotionalen Kompetenzen von Kindern in der Kindergartenpraxis. Die Erzieher*innen erhielten außerdem verschiedene Materialien, die sie dabei unterstützten, die Theorie in die eigene Praxis zu übertragen.

Insgesamt nahmen an EMIL Baden-Württemberg 25 Kindergärten aus den vier Regierungspräsidien Baden-Württembergs teil. Die teilnehmenden Kindergärten wurden für die Qualifizierung in drei Gruppen eingeteilt: zwei sogenannte Interventionsgruppen und eine Wartegruppe. Die Gruppeneinteilung erfolgte zu Beginn per Losverfahren. Pro Gruppe nahmen damit acht bis neun Kindergärten an EMIL Baden-Württemberg teil.

Interventionsgruppe 1 erhielt die EMIL-Qualifizierung in Form von vier Fortbildungen. Interventionsgruppe 2 erhielt drei Fortbildungen und zwei kindergarteninterne Teambegleitungen. Die Anzahl der Qualifizierungsstunden der beiden Gruppen unterschied sich dabei nicht. Die Wartegruppe erhielt zu diesem Zeitpunkt noch keine EMIL-Qualifizierung.

Daraus ergibt sich folgende Übersicht:

  • Interventionsgruppe 1 (IG 1):
    • vier Fortbildungstermine (4 x 6 Stunden) mit insgesamt 24 Stunden EMIL-Qualifizierung
  • Interventionsgruppe 2 (IG 2):
    • drei Fortbildungstermine (3 x 6 Stunden) sowie zwei Teambegleitungen in der eigenen Einrichtung (2 x 3 Stunden), also ebenfalls insgesamt 24 Stunden EMIL-Qualifizierung
  • Wartegruppe (WG):
    • Einrichtungen dieser Gruppe bekommen noch keine EMIL-Qualifizierung zu Projektbeginn
    • Absprache zu Qualifizierungsterminen im Herbst 2014

Die Qualifizierung der Kindergartenteams wurde von Multiplikatoren-Tandems durchgeführt, die vom ZNL speziell ausgebildet wurden. Diese begleiteten die Teams während des gesamten Projektverlaufs und standen für Rückfragen zur Verfügung. Der Veranstaltungsort der Fortbildungen war abhängig von den teilnehmenden Kindergärten und wurde möglichst ortsnah gewählt.

Insgesamt fand das Forschungsprojekt EMIL Baden-Württemberg für die Kindergärten im Zeitraum von November 2013 bis Juli 2014 statt.

EMIL Baden-Württemberg wurde wie bereits EMIL Ulm wissenschaftlich begleitet. Zu Beginn und am Ende der Qualifizierungsmaßnahmen fanden Datenerhebungen bei den beteiligten Kindern, Eltern und pädagogischen Fachkräften statt.

Wissenschaftliche Fragestellung

EMIL Baden-Württemberg war ein Forschungsprojekt, das der zweiten Überprüfung einer alltagsintegrierten Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen von Kindern dient. Das EMIL-Konzept wurde 2011/2012 mit acht infans-Kindergärten der Stadt Ulm entwickelt. Die wissenschaftliche Überprüfung zeigte, EMIL wirkt (siehe Ergebnisse).

Allerdings beziehen sich die bisherigen Ergebnisse der Evaluation von EMIL Ulm auf einen Träger und ein Konzept. Mit EMIL Baden-Württemberg prüft das ZNL, unter welchen Bedingungen das EMIL-Konzept in Kindergärten mit unterschiedlichen pädagogischen Konzepten und Rahmenbedingungen umgesetzt werden kann. Das ZNL bearbeitet mit EMIL Baden-Württemberg folgende Fragestellungen:

  1. Wirkt EMIL auch in Kindergärten mit anderen pädagogischen Konzepten?
  2. Wie müssen die EMIL-Qualifizierungsmaßnahmen gestaltet sein, damit sie in Kindergärten mit verschiedenen pädagogischen Konzepten in Baden-Württemberg umgesetzt werden können?

Zeitplan EMIL Baden-Württemberg

Die Laufzeit von EMIL Baden-Württemberg in den Kindergärten betrug neun Monate, von November 2013 bis Juli 2014. Die erste Messung bei den teilnehmenden Kinder sowie die Befragung der Eltern und pädagogischen Fachkräften fand in allen 25 Kindergärten im November/Dezember 2013 statt. Für die Erzieher*innen der beiden Interventionsgruppen begannen im Januar 2014 die ersten Fortbildungen. Die einzelnen Termine wurden mit den jeweiligen Kindergärten zu Beginn von EMIL abgesprochen. Der Qualifizierungszeitraum betrug insgesamt sechs Monate und endete somit im Juni 2014. Die zweite Datenerhebung fand bei den Kindern, Eltern und pädagogischen Fachkräften im Juni/Juli 2014 statt.

Messinstrumente

Um die Fragen in EMIL Baden-Württemberg zu beantworten, wurden Daten bei Kindern, deren Eltern sowie pädagogischen Fachkräften erhoben. Bei den Kindern im Alter von 3 bis 6 Jahren wurde eine Auswahl von psychologischen Tests durchgeführt. Die Testdurchführung fand in spielerischer Weise mit jedem Kind einzeln statt. Die Messung dauert ca. 30 Minuten pro Kind und fand im November/Dezember 2013 sowie im Juni/Juli 2014 an einem Vormittag im Kindergarten statt. Die Tests dienten der Erfassung folgender Bereiche:

  • Exekutive Funktionen (Arbeitsgedächtnis, Inhibition, kognitive Flexibilität)
  • Verhaltensregulation
  • Perspektivenübernahme

Zusätzlich wurden die pädagogischen Fachkräfte sowie die beteiligten Eltern gebeten, einen Fragebogen zur sozial-emotionalen Kompetenz der Kinder auszufüllen. Die Eltern wurden ebenfalls gebeten, zu Beginn des Projekts einen Fragebogen zur Erfassung sozio-ökonomischer Daten auszufüllen. Bei den Erzieher*innen wurden zusätzlich drei weitere kurze Fragebogen zu ihrer Arbeit im Kindergarten erhoben.

Neben diesen Testungen wurde der Kindergartenalltag in jedem Kindergarten zweimal während des Projektzeitraums beobachtet, um einen Eindruck von Strukturen, Räumlichkeiten, Materialangebot, Ablauf der Angebote und des pädagogischen Handelns der Erzieher*innen zu bekommen.


EMIL wirkt

Wird ein Konzept für Kindergärten entwickelt, ist es für seinen Erfolg unerlässlich, dass es von pädagogischen Fachkräften als relevant und praxistauglich wahrgenommen wird. Erkennen die Fachkräfte darüber hinaus nach oder sogar schon während der Umsetzung des Konzepts Veränderungen bei sich selbst und bei den Kindern, kann man von einem erfolgreichen Konzept sprechen.
In EMIL sind wir noch einen Schritt weiter gegangen: Wir wollten mit objektiven Messverfahren nachweisen, dass EMIL durch die Qualifizierung von pädagogischen Fachkräften eine positive Wirkung auf die Entwicklung von Kindern hat.

Warum EMIL?
Im Kindergartenalltag hat das soziale Miteinander eine hohe Bedeutung. Wenn Kinder sich im Spiel abstimmen, teilen, streiten, Rücksicht nehmen, sich abwechseln, warten, mitspielen wollen oder ihre Bedürfnisse und Ideen äußern, dann sind immer Gefühle im Spiel. Kinder, die ihre Gefühle nicht gut regulieren können, werden zeitweise von Wut, Angst oder Traurigkeit „überschwemmt“. Sie können sich nicht so leicht beruhigen oder angemessene Lösungen finden, wenn sie bspw. in einen Konflikt geraten oder ihnen etwas misslingt.
Die sogenannten exekutiven Funktionen – man spricht hier auch von Selbstregulation – unterstützen den erfolgreichen Umgang mit den eigenen Gefühlen. Und nicht nur das: Sie sind insgesamt für die Steuerung unseres Denkens und Handelns zuständig. Ohne diese Gehirnfunktionen wären wir nicht in der Lage, zu planen und Ziele zu verfolgen, an Aufgaben dran zu bleiben, ohne uns ablenken zu lassen, kreativ und flexibel zu denken oder uns in andere hinein zu versetzen.
Heute weiß man: Exekutive Funktionen sind trainierbar. Dafür brauchen Kinder vielfältige spielerische, alltagsbezogene und für sie bedeutsame Gelegenheiten, in denen sie selbstreguliertes Verhalten üben können. Und genau hier setzt EMIL an:
In der EMIL-Qualifizierung geht es um die Frage, was 3-6 Jährigen hilft, ihre exekutiven Funktionen zu entwickeln und dadurch ihre sozial-emotionalen Kompetenzen zu stärken. Pädagogische Fachkräfte werden geschult, ihren pädagogischen Alltag durch die „EMIL-Brille“ zu betrachten. Die Umsetzung von EMIL erfolgt nicht nach einem festen Programm, sondern alltagsintegriert in der tagtäglichen Interaktion mit den Kindern.
Umsetzung von EMIL im Kindergartenalltag
Exekutive Funktionen und selbstgesteuertes Tun können vielfältig gefördert werden. Denn in einem System wie dem Kindergarten greifen viele Aspekte ineinander, die Einfluss auf das Verhalten und die Entwicklung der Kinder haben. EMIL bezieht alle Ebenen der pädagogischen Arbeit ein: die Haltung der/des Erzieher*in und ihre/seine Interaktion mit den Kindern, die strukturellen Bedingungen und die Gestaltung des Umfelds sowie die pädagogischen Angebote.

Haltung – Dialog – Interaktion
Kinder brauchen Erwachsene, die sie ernst nehmen in ihren Gefühlen, feinfühlig auf sie eingehen, Orientierung geben und ihnen vorleben, wie es gelingt, die eigenen Gefühle wahrzunehmen und zu regulieren.
Dies ist einfacher, wenn pädagogische Fachkräfte um die Entwicklung von exekutiven Funktionen und Selbstregulation wissen. Sie können bspw. den Zorn und die Verzweiflung eines 3-Jährigen besser verstehen, der auf sein Lieblingsdreirad warten muss.
Pädagogische Fachkräfte, die dafür sensibilisiert sind, worauf es bei der Stärkung von exekutiven Funktionen und Perspektivenübernahme ankommt, bleiben gelassener und verändern ihre Interaktion mit Kindern: Sie spiegeln Gefühle auf eine Art, die Kindern zunehmend besser erlaubt, sich selbst zu beruhigen und achtsam mit sich und anderen umzugehen. Sie trauen Kindern zu, eigenständig Lösungen für Probleme zu finden. Fragen werden wichtiger als Antworten, Selbsttätigkeit und kreatives Denken sind gefordert.

Strukturen
Ein weiteres Anliegen des EMIL-Konzepts ist es, eine Lernumgebung zu schaffen, in der Kinder gute Voraussetzungen für selbstgesteuertes Tun und ein entspanntes soziales Miteinander vorfinden.
Hier spielen die räumliche Gestaltung und die Darbietung von Material, die zeitlichen Abläufe und Übergänge zwischen Angeboten, die Gruppenzusammensetzung und Altersstruktur sowie die vereinbarten Regeln und Rituale eine bedeutende Rolle.

Pädagogische Angebote
Durch pädagogische Angebote können die exekutiven Funktionen gefordert und damit gefördert werden.
Wichtig ist hierbei, Spiel- und Handlungsanlässe zu schaffen, die Kinder zum planvollen zielgerichteten Handeln, zum Aushandeln von Interessen und Zielen sowie zur eigenständigen Suche nach Lösungen anregen. Dies kann sowohl durch strukturierte Angebote als auch während der Freispielzeit geschehen. Entscheidend ist in jedem Fall das „Wie“, also das methodische Vorgehen und die Art, wie Kinder in die Gestaltung eingebunden werden.

Kleine Helferlein
Auf allen drei der beschriebenen Handlungsebenen können „Kleine Helferlein“ eingesetzt werden, wenn Situationen zu bewältigen sind, die sonst noch nicht eigenständig bewältigt werden können.
Unter „Kleinen Helferlein“ verstehen wir bildliche Symbole, wie z. B. zur Kennzeichnung von Funktionsbereichen und Materialien, kleine Hilfsmittel wie Sanduhren zur selbständigen Zeitkontrolle oder auch die Ermutigung zum sprachlichen Begleiten von Handlungen. Immer geht es darum, dem Kind oder den Kindern durch eine kleine äußere Hilfe Selbstständigkeit und das Gefühl von Selbstwirksamkeit zu ermöglichen. Sobald die Kinder die Situation zunehmend allein meistern können, kommt das „Kleine Helferlein“ seltener und irgendwann gar nicht mehr zum Einsatz.

EMIL wirkt

Datenerhebung

In beiden Evaluationsphasen, EMIL Ulm und EMIL Baden-Württemberg, wurden auf verschiedenen Ebenen Daten erhoben, um ein möglichst vollständiges Bild der Veränderungen zu bekommen.
Zum einen wurden mit den Kindern spielerische Tests zur Messung der exekutiven Funktionen und der Fähigkeit zur Perspektivenübernahme durchgeführt. Diese Tests sind für den Einsatz mit Kindern dieser Altersgruppe entwickelt worden und daher sehr ansprechend in ihrer Durchführung. Sie passen sich in ihrer Schwierigkeit dem individuellen Entwicklungsstand an, so dass das Kind herausgefordert, aber nicht überfordert wird.
Des Weiteren haben wir die Eltern zum familiären Umfeld des Kindes befragt. Wir wollten beispielsweise wissen, wie der Bildungshintergrund der Eltern ist, von wem das Kind betreut wird und wie es seine Freizeit verbringt.
Auch die Erzieher*innen im Kindergarten haben wir in die Erhebung einbezogen. Mit einem standardisierten Fragebogen haben die jeweiligen Bezugserzieher*innen die sozial-emotionalen Kompetenzen der Kinder eingeschätzt. Außerdem wurden sie mit Hilfe eines Feedbackbogens zur Akzeptanz der EMIL-Qualifizierungen befragt. Aussagen zu persönlich wahrgenommenen Veränderungen durch EMIL ergänzen das Bild. Denn wenn Erzieher*innen positive Veränderungen im Verhalten der Kinder durch EMIL bemerken, ist das ein großer Erfolg.

Ergebnisse

Das EMIL-Konzept wurde bislang zweimal evaluiert.
Bei EMIL Ulm wurde das EMIL-Konzept im Jahr 2012 mit vier Ulmer Kindergärten erfolgreich umgesetzt. Verglichen mit einer Kontrollgruppe bestehend aus vier Kindergärten, die nicht an den EMIL-Qualifizierungen teilgenommen hat, kam es bei den Kindern der Interventionsgruppe zu signifikanten Verbesserungen im Arbeitsgedächtnis, in der Inhibition (Impulskontrolle) und Perspektivenübernahme. So schafften sie es in einem Spiel, bei dem sie Zahlenreihen zunehmender Länge nachsprechen sollten, längere Zahlenreihen zu wiederholen. In einem anderen Spiel, bei dem es darum ging, gemeinsam einen Turm zu bauen, waren sie besser in der Lage, sich auf ihr Gegenüber einzulassen und sich mit ihm abzuwechseln.
Auch die zweite Erprobung im Rahmen von EMIL Baden-Württemberg im Jahr 2014 zeigte deutliche Effekte. Verglichen mit acht Kindergärten, die nicht an EMIL teilgenommen haben, zeigten die Kinder aus den 16 EMIL-Kindergärten Verbesserungen in den exekutiven Funktionen, in der Perspektivenübernahme und in den sozial-emotionalen Kompetenzen. Die Kinder waren beispielsweise besser in der Lage, sich in die Gefühlslage einer fiktiven Figur hineinzuversetzen und dementsprechend zu handeln. Außerdem haben sie sich nach Einschätzung ihrer Bezugserzieher*innen in ihrer Rücksichtnahme und Selbststeuerung sowie ihrer Selbstbehauptung verbessert.
Erfolgsgeschichten
Neben den „harten“, messbaren Daten, die mit verschiedenen spielerischen Tests bei den Kindern und mit Fragebogen erhoben wurden, gibt es auch persönlich wahrgenommene Veränderungen. Diese sind für den Erfolg eines Praxiskonzepts nicht weniger wichtig. Wenn pädagogische Fachkräfte positive Veränderungen im Verhalten der Kinder durch EMIL bemerken und sie ein Konzept als hilfreich für ihre pädagogische Arbeit erleben, ist das ein großer Erfolg.
So haben wir nachgefragt, was sich durch EMIL nach der EMIL-Qualifizierung im Kindergarten verändert hat.

EMIL unterstützt die Kinder in ihrem Verhalten

„Die Kinder sind durch EMIL selbstständiger und selbstbewusster geworden.“

„Seit EMIL gehen die Kinder achtsamer miteinander um.“

„Die Kinder sind durch EMIL hilfsbereiter geworden.“

„Konflikte werden von den Kindern selbständiger gelöst.“

„Die Kinder wirken ausgeglichener durch mehr Wechsel zwischen Bewegung und Ruhe.“

„Die Kinder haben die neuen „Helferlein“ positiv und schnell angenommen und sie sich auch in anderen Spielbereichen gewünscht.“

EMIL unterstützt pädagogische Fachkräfte bei ihrer Arbeit
Nicht nur den Kindern hat EMIL gut getan, die Erzieher*innen bemerkten auch positive Veränderungen in ihrem pädagogischen Alltag:

„Wir haben jetzt mehr Verständnis für die Kinder.“

„Wir sind allgemein gelassener und greifen nicht immer sofort ein. Fragen geben wir öfters an die Kinder zurück. Wenn man nicht immer Feuerwehr spielen muss, ist der Stress im Alltag viel weniger.“

„Die Eingewöhnungszeit verläuft in diesem Jahr viel entspannter. Die Kinder kommen in der Kita schneller an.“

„Das Spiel der Kinder ist intensiver aufgrund eines neuen Raumkonzepts.“

„Bei Fragen von außen hat das Team jetzt klare, einheitliche Antworten.“